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Digitalisierung: Drohender Personalabbau

12. Juni 2018, von WEKA MEDIA

Eines steht fest: Die Digitalisierung unserer Arbeitswelt hat gerade erst begonnen – sie lässt sich nicht aufhalten, sondern nur bestmöglich gestalten. Doch das ist auch und gerade für Betriebsräte angesichts der tiefgreifenden Umwandlungsprozesse eine Riesenherausforderung: In manchen Branchen droht massiver Personalabbau – viele Kollegen werden in einigen Jahren wohl tatsächlich nicht mehr gebraucht. Dazu kommen Flexibilisierung, Entgrenzung der Arbeit und umfassende Kontrollmöglichkeiten des Arbeitgebers.

Die größte Bedrohung liegt zunächst sicher im drohenden Verlust zehntausender Arbeitsplätze. Besonders betroffen ist davon beispielsweise die Automobilindustrie: Hier geht das Zeitalter des Verbrennungsmotors unweigerlich zu Ende – und das nicht ohne Folgen für die Beschäftigten: Denn Elektromotoren haben weniger Teile und erfordern wesentlich weniger Aufwand bei der Montage. So haben achtzylindrige Motoren rund 1200 Teile, ein Elektromotor hingegen nur 25. Das bedeutet allein für die Arbeitnehmer bei Volkswagen, so befürchtet es die IG Metall, dass 10 bis 15 Werke mittelfristig überflüssig werden. Dies wird auch die Zulieferindustrie hart treffen. Auch in der Bank- und Versicherungsbranche ist mit einem drastischen Abbau von Beschäftigten zu rechnen.

Personalabbau: Sozialpläne als Schutzinstrument

Für Sie als Betriebsrat bedeutet das: Wenn etliche Kollegen ihren Job verlieren, werden Verhandlungen über die Abmilderung der Folgen einer Betriebsänderung immer wichtiger – und wohl auch häufiger. Glücklich können sich dann die Belegschaften schätzen, die in tarifgebundenen Betrieben arbeiten: Das Aushandeln wenigstens finanziell attraktiver Abfindungsregeln ist auf Ebene der Tarifvertragsparteien sicher besser umzusetzen. Auf Betriebsräte, die für sich allein Sozialpläne abschließen müssen, dürften aber harte Zeiten zukommen. Hier gilt es, die Mitbestimmungsrechte nach den §§ 111 ff. BetrVG zu nutzen und möglichst viel für die Kollegen herauszuholen. Daneben kann das Beteiligungsrecht des Betriebsrats nach §§ 111, 112 BetrVG im Rahmen der Digitalisierung aber auch durch eine grundlegende Änderung der Betriebsorganisation, der Betriebsanlagen oder des Betriebszwecks (vgl. § 111 Satz 3 Nr. 4 BetrVG) oder in der Einführung neuer Arbeits- und Fertigungsmethoden (vgl. § 111 Satz 3 Nr. 4 BetrVG) entstehen.

Qualifizierung wird noch wichtiger werden

Einige Berufsbilder, die wir heute kennen, wird es bereits in wenigen Jahren nicht mehr geben. Deshalb wird es für die Beschäftigten noch bedeutsamer, die permanente Weiterbildung zu verinnerlichen. Immer weniger Arbeitnehmer werden sich künftig auf dem einmal Erlernten ausruhen können: Nur wer bereit ist, neue Qualifikationen zu erwerben, und flexibel für Veränderungen ist, wird in der modernen Arbeitswelt bestehen können. Wer den Digitalisierungszug verpasst, wird früher oder später abgehängt. Im schlimmsten Fall so weit, dass die Geschäftsleitung auf Dauer keine Verwendung mehr für den Kollegen sieht. Dann ist die Abwärtsspirale vorprogrammiert. Der Beschäftigte gerät ins betriebliche Abseits, fühlt sich nicht mehr gebraucht und wird häufig psychisch oder körperlich krank. Am Ende steht die Beendigung des Arbeitsverhältnisses – entweder per Aufhebungsvertrag, per Arbeitgeberkündigung oder in einigen Fällen auch durch eigene Kündigung. Dem sollten Betriebsräte so gut es geht vorbeugen, indem sie ihre Mitbestimmungsrechte im Rahmen der §§ 96 ff. BetrVG ausüben.

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